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1.4.2009

Strecke:
Swakopmund

Abfahrt war um 5.00 Uhr in der früh. Ich hatte meine Sachen gepackt und wartete am Eingang. Die Eltern der Besitzerin des Campingplatzes kamen angefahren. Ich durfte mich auf der Pritsche des geschlossenen Kastenwagens irgendwie bequem machen, da vorne nur Platz für den Beifahrer war. Wir fuhren die C35 durch die Wüste im Erongo. Sehr sicher fuhr der betagte Mann über die holprige Piste. Immer wieder gings durch sandige Senken. Eine riesige Staubwolke zog hinter uns her. Ich konnte einen wahnsinnigen Sonnenaufgang über die Wüste erleben. Von dunkelblau wurde es lilarot bis gelblich rot über den Horizont.
An der Küste angekommen ging es weiter über eine Asphaltstraße.  Wir machten einen Zwischenstopp in Hentiesbay. Dort besuchten wir die Tochter des älteren Paares. Ich wurde zu einer Tasse Reubuschtee eingeladen. Die Leidenschaft der Familie ist das Fischen. Der Mann organisiert und leitet für Toursten verschiede Ausfahrten ins Meer, z.B. Haifischen und Walbeobachtung. Überhaupt scheint die Familie Tiere besonders zu mögen. Neben 2 Hunde und Katzen hielten sie einen Papagei und einen Leguan. Die älteste Tochter - im übrigen eine zauberhaft blonde Schönheit, ich schätze sie auf 20, fütterte die beiden Exoten. Die Mutter schien sehr krank zu sein, ich vermute ein Krebsleiden. Nicht verwunderderlich, denn der Mann rauchte sehr stark.
Nach einer Stunde Aufenthalt ging es weiter. Wir fuhren entlang der Küste nach Süden, vorbei an gestrandeten Schiffen. Rechts und links der Straße sah man Sand soweit das Auge reichte. Ein Schakal überquerte vor uns die Straße. Kurz vor Swakopmund entsteht eine neue Wasseraufbereitungsanlage. Noch eine Großbaustelle. Das Wasser soll für eine neue Uran-Mine genutzt werden. Ein umstrittenes Bauprojet. Schließlich erreichten wir Swakopmund und hielten vor einem Fahrradladen namens "Cycle Clinic".
Ich bedankte mich bei meinem "Taxifahrer" und ging mit meinem ganzen Gepäck ins Geschäft. Neben einigen Fahrradteilen und einzelnen Fahrrädern betrieb der Inhaber eine Schlüsselwerkstatt. Ein Kunde wurde noch bedient, dann kam ich an der Reihe. Besonders freundlich war der Mann nicht. Ich schilderte ihm mein Problem. Er packte aus einem Kartung ein Laufrad heraus. Es war eine einfache Stahlfelge, bereits komplett eingespeicht, aber ohne Schnellspanner. Mit zwei Muttern musste man das Laufrad einbauen. das war zunächst nicht meine Vorstellung. Der Preis: 280,- N$. Ich packte meine Sachen und ging nach Cymot, ein Multiwarenhaus. Neben Werkzeugen, Campingartikeln und Autozubehör könnte man ja dort auch ein Laufrad bekommen, so der Tipp der Beitzerin des "White Lady" Campingplatzes. Doch mir schien das angebotene Laufrad nicht passend zu sein, so entschied ich mich, wieder zur Cycle Clinic zurück zu gehen und dort das Laufrad zu nehmen.
Ich ging in den Laden und nahm das Laufrad. Deutsche Volksmusik klang aus einem Radio, der Mann sprach also auch deutsch. Er machte einen gestressten Eindruck. Ich stellte fest, dass das Laufrad noch nachzentriert und auch das Lager eingestellt werden muss. Ich monierte, dass die Speichen los seien und das Lager schwergängig sei. Ich müsste warten, er hätte keine Zeit, bekam ich wirsch als Antwort. Immerhin stellte er mir die Werkstatt zur Verfügung. Ich frug, ob er Felgenband hätte. Der Fahrradhändler riss mir die Felge aus den Händen, verschwand kurz in seine Werkstatt. Einmal außen rum, mehr schlecht als recht, mit Crepband umwickelt bekam ich die Felge zurück. Ich packte mein Werkzeug aus und begann mir das Laufrad herzurichten. Immer wieder kamen Leute in den Laden. Zuerst ein Schwarzer, der anscheinend um einen Job fragte. Diesen jagte der Händler raus und schimpfte auf Deutsch hinterher. "Dieses Pack...". Dann der nächste, der ein Problem mit seinem Schlüssel hatte. Er könne die Zahl nicht lesen und frug, ob der Händler einen passenenden Zweitschlüssel hätte. "Er solle doch mal zum Optiker gehen" antwortete der Händler. Noch mit Humor verließ der Kunde den laden. Später kam ein Scharzer rein und schaute sich im Laden um, als suche er was Spezielles. Anstatt ihn feundlich zu bedienen, wartete der Händler ab und schaute nur zu. Ein plampiges "Good afternooooon" gab es von ihm. Der Kunde verlies wortlos den Landen. Voll genert irrte der Händler zwischen Werkstatt und Trese, um den nächsten Kunden abzufertigen. In der Zeit werkelte ich am Laufrad. Zuerst wickelte ich mein teueres Gewebeband über das Crepeband. Dann zog ich ersteinmal alles Speichen fest. In der chaotischen Werkstatt suchte ich nach passendem Werkzeug, um das Lager einzustellen. Außer altes oder kaputtes Werkzeug fand ich nichts. Mit Zange und einem Maulschlüssel gelang es mir, das Lager, das ich noch etwas gefettet habe, halbwegs zu kontern. Ich zug den Mantel und den Schlauch wieder auf. Ich dachte, den Schlauch anstatt mühevoll mit meiner Teleskoppumpe aufzupumpen, wurde der Händler doch eine Standpumpe haben. Ich frug nach einer Pumpe und bekam eine alte Handpumpe, die überhaupt nicht funktionierte. Gefrustet pumpte ich den Reifen mit meiner Handpumpe auf. Endlich, nach über zwei Studen im Laden war mein Fahrrad wieder fahrbereit. Ich überlegte, ob ich mit dem Händler bei dem miesen Service über den Preis noch diskutieren solle. Ich war aber zu müde und hatte keine Lust mehr, da noch umzumachen. Zähneknirschend zahklte ich die 280 N$ und verliess ohne ein Wort den Sauladen. Eigentlich hätte ich Schmerzensgeld bekommen müssen, anstatt Geld für die Ware zu zahlen.
Als Erstes kaufte ich reichlich Proviant für die nächsten Tage in einem Supermarkt ein und fuhr dann zur Ritterburg, um beim Ministry of Environment and Tourism (MET) einen Permit für die Nebenstrecke und den Zeltplätzen im Namib-Naukluftpark zu bekommen. Der zuständige Beamte konnte oder wollte mir kein Permit geben, vorallem da ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Er gab mir die Telefonnummer seiner oberen Dienststelle in Windhoek und ich sollte dort nachfragen.
Ich fuhr nun durch Swakopmund rum, zog an einem Geldautomaten, dass mir sicher erschien, noch einmal Geld und schaute mir die Stadt an: das Woermann-Haus, die Küstenpromende - es blies ein kalter Wind vom Meer -, den Leuchtturm, das alte Amtsgericht, den alten Bahnhof, die Evangelische Kirche, usw. Gleichzeitig hielt ich Ausschau nach einem geeigneten und preiswerten Quartier. Der Campingplatz schien mir nicht alzu sicher zu sein.
Dann traf ich einen deutschen Motorradfahrer mit einem Heppenheimer Kennzeichen. Er hatte nur wenig Zeit und musste weg, doch er gab mit den Tipp in der Jugendherberge in der alten Kaserne zu schlafen. Preiswert und sicher soll sie sein. Er ist schon seit längerem dort und nannte mir noch seinen Namen. Ich fuhr zu dieser Jugendherberge, doch die war schon voll. Die einzige Möglichkeit wäre, das Zimmer mit dem Motorradfahrer zu teilen. Aber ich wusste ja nicht, wann er zurück kommen werde. Also zog ich weiter. Einige Pensionen waren mir zu teuer, andere existierten nicht mehr. Ich versuchte es im Hotel Avignon. Dort bot man mir ein Doppelzimmer an. Das war zwar etwas teuerer als ein Einzelzimmer, ich hatte aber keine Lust weiter rumzusuchen. Das Hotel ist sehr gut eingerichtet und sicher.
Am Abend ging ich unweit des Hotels ins Restaurant Grapevine, das im Reiseführer beschrieben und besonders empfohlen wird. Ich bestellte mir eine Tagessuppe, eine kalte Gemüsebrühe oder so ähnlich. Als Hauptgericht gab es Hähnchenfilets gefüllt mit Meeresfrüchten und Reis. Dazu ein gemischte Beilagensalat. Als Nachtisch ein Eis. Er war köstlich, top Service und das für weniger als umgerechnet 15,- EUR.