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    Namibia

2.4.2009 - 4.4.2009

Strecke:
Swakopmund, B2, C28 in die Wüste und den Namib Naukluft Nationalpark, Abzweigung in die D1991 zur Mondlandschaft, D1903 vorbei an den Welwitschias zurück auf die C28 nach Osten, vorbei an der Blutkuppe, über einen Nebenweg zu den Klein Tikas und Groß Tinkas, wieder zurück auf die C28, dann in südl. Richtung D1985, D1982, D1998, C14 durch den Kuiseb Canyon und Gaub Canyon bis zur Rostock Ritz Lodge

Gut erholt startete ich von Swakopmund meinen Ritt durch die Wüste. Vollbepackt mit an die 25l Wasser, beide 4L Wassersäcke voll, dann jeweils 1,5l Flaschen außen an den Hinterradtaschen, jeweils 1,5l in den Vorderradtaschen, über 2l am Fahrrad selber, insgesamt 5 Liter in Flaschen im Sack auf den Rücken, vorne auf einer Vorderradtasche eine 1L-Flasche und Cola in den Hinterradtaschen. Das sollte eigentlich für 3 Tage bis zur nächst möglichen Versorgungsstelle ausreichen, war meine Kalkulation.
Es war noch etwas neblig. Direkt hinter dem Küstenort konnte man schon einige Dünen sehen. Sand soweit man sehen konnte. Ich fuhr über den Fluss Swakop, der inzwischen total ausgetrocknet war. Die Lehmkruste war total aufgerissen in einzelne Schollen. Nach wenigen Kilometern begann die Wüste und somit der Namib-Naukluft Park. Strommasten und Pipelines durchbrachen die Weite. In der Ferne waren die Gipfel einiger Berge zu sehen.
Es ging immer leicht stetig bergauf, die Sonne kam mehr und mehr durch die flache Bewölkung durch. Es wurde immer wärmer. Ich erreichte die Mondlandschaft. Eine zerklüftete, imposante Landschaft. An einem Aussichtspunkt traf ich ein deutsche Paar aus Vaihingen /Enz. Sie waren schon mehrfach in Namibia und hatten sich ein Pickup mit einem Dachzelt gemietet. Ich sollte sie unterwegs noch öfters treffen.
Über der Mondlandschaft entwicklete sich ein Schauer. Welch ein Naturspektakel, wie in der Ferne die Regentropfen über das Gebiet runterkamen. Einzelne Wüstenpflanzen haben sich an die klimatischen Bedingungen angepasst.  Vorallem die Welwitschia Mirabilis. sie gehört zu den ältesten Pflanzengattungen der Erde. Ich verlies den Rand der Mondlandschaft und kehrte zur Hauptstraße zurück. Dort fuhr ich weiter ostwärts, immer weiter leicht bergauf, vorbei an der Langer Heinrich Uranium Mine in Richtung Blutkuppe. Die Vegetation nahm wieder zu, grün-seidenes Gras überzog die Wüste. Am Straßenrand entdeckte ich eine Pflanze mit melonenartigen Früchten. Es wurde Abend, die Sonne stand tief. Springböcke huschten übers Feld. Ein Regenbogen baute sich vor mir auf. In der Wüste regnete es. Ich fuhr weiter im Lichte des imposnaten Sonnenuntergangs. Ich wollte unbedingt den Campingplatz an der Blutkuppe erreichen. Die Sonne verschwand am Horizont, von der Blutkuppe war noch nichts zu sehen. Ein Hinweisschild, hier links zur Blutkuppe. Ich verlies die Hauptstrasse und folgte einer schmalen Piste. Es wurde Dunkel. Ich baute meine Fahrradlampe ans Lenkrad und fuhr noch etwas weiter. Doch von der Blutkuppe immer noch keine Spur. Irgendwann hatte ich genug. Ich suchte nach einem geeigneten Platz abseits der Piste und baute mein Zelt auf. Die Heringe ließen sich schwer in den Untergrund schlagen. Der Boden bestand hauptsächlich aus Granit. Ich kochte mir noch etwas und legte mich alsbald zum Schlafen hin.
Ich stand früh auf, um den Sonnenaufgang voll mitzuerleben. Es war leicht windig und frisch. Doch sobald die Sonne über den Horizont blinzelte, wurde es deutlich wärmer. Es ging weiter auf der schmalen Piste. Es gab einige Hinweisschilder zur Blutkuppe, die ich dann auch sehen konnte. Ein mächtiger Felsen stach in der Landschaft hervor. Ich folgte der schmalen Piste, vorbei an Granitfelsen und Köcherbäumen und erreichte Klein Tinkas. Dort liegen zwei Soldaten, die am Ende des im 19. Jahrhunderts als Schutztruppen dort gefallen sind. Die Reste einer Hütte sind immer noch da. Dort traf ich auch wieder das Paar aus Vahingen. Der Weg ging weiter zu Mittel Tinkas. Laut meiner Karte konnte ich über Archer's Rock wieder zur Hauptstrasse zurückkehren. Einige Kilometer nach der Abzweigung bei Mittel Tinkas war der Weg nur noch eine tiefe Sandpiste, in der ein Fahren kaum noch möglich ist. Über Schweizer Touristen, die mir begegneten erfuhr ich, dass der Weg eine Sackgasse ist. Also wieder zurück geschoben. Und wieder traf ich das Paar aus Vahingen. Ich kehrte zur Abzweigung zurück und nahm den anderen Weg, der mich wieder auf die Hauptstraße bringen sollte.
Vorbei an Groß Tinkas ging es über eine schmale, sehr holprige und schwere Piste. Von hinten kam ein Motorradfahrer an. Es war ein Schweizer, Martin Münch, der bereits seit 5 Jahren durch die Welt reiste. Der gelernte Feinwerkzeugmechaniker wollte noch 1 Jahr von Süden nach Norden Afrikas unterwegs sein. Wir tauschten unsere Email-Adressen aus und machten gegenseitig Fotos. Ich quälte mich weiter über die Piste bis zur Hauptstrasse. Die Landschaft wurde wieder abwechslungsreicher und hügeliger. Ich bog weiter nach Süden ab. Eine Herde Springböcke liefen aufgescheucht durch das Gras. Es waren mindestens 50 Tiere. Es war heiß und ich suchte unter einem Baum etwas Schatten für eine kleine Rast. 5 Meter unterhalb hatte ich ein Wildschwein aufgeschreckt. Zum Glück lief das Vieh in die andere Richtung, hämmerte ein paar Mal mit dem Kopf gegen den Zaun und lief dann entlang des Zauns davon. Da weis man, wie wild die Tiere in Namibia sind. Das ist nicht zu unterschätzen.
Es war spät geworden und ich suchte nach einem Schlafplatz. Alles war eingezäunt, da war es nicht so einfach, abseits der Piste einen geeigneten Platz zu finden. Schließlich fand ich eine Lücke an einem Tor zu einer Wiese. Ich entlud mein Gepäck und hob es auf die andere Seite. Ebenso mein Rad. Dann ging ich durchs Hüfthohe Gras und fand eine ebende und freie Fläche. Dort baute ich mein Zelt auf. Wieder ein toller Sonnenuntergang und auf der anderen Seite sah man, wie in der Nähe ein Regenschauer hinwegzog. Erschöpft legte ich mich nach dem Essen hin und schlief ein zweites Mal in der Wildnis.
Ein Tausendfüssler hatte sich am Eingang des Innenzeltes bequem gemacht. So fing der Tag gut an. Ich packte meine Sachen und schob mein Rad durchs Gras wieder zur Straße. Weiter ging's am Rande der Namib Wüste. Wildschweine fegten durchs Gras. Auf der Straße fand ich ein Chameleon. Das Tier blieb regungslos stehen. Weiter ging's. Zwischen den gras grünen Ebenen stießen kleinere felsige Hügel hervor. Ein wechselspiel zwischen den Grüntönen und den rötlichen Hügeln. Kurz vor dem Kuiseb Canyon sah ich einen Helicopter und eine Produktionsfirma, die gerade dabei war, die Kulisse abzubauen. Eine südafrikanische Zigarettenfirma produzierte dort wohl ihren nächste Werbefilm. Ein LKW kam aus der Zufahrt heraus. Der Fahrer gab mir 1 Liter kaltes Wasser. Das war wunderbar, denn es war ziemlich heiss geworden. Der Wind brachte nur wenig Abkühlung.
Es ging eine steile Abfahrt hinunter in den Kuiseb Canyon. Der Fluss, zumindest was noch davon übrig war, hatte sich tief ins Gelände eingeschnitten. Auf der anderen Seite ging es steil bergauf. An einem Aussichtspunkt traf ein Paar aus Walvis Bay, die auf Rundreise waren. Sie machten ein Bild von mir. Ich fuhr zum Plateau weiter hoch. Dort ging es auf und ab und man konnte weit in die grüne Landschaft überblicken. In der Ferne Berge, davor weite Grasssteppe. Es ging nochmals steil bergab hinunter in den Gaub Canyon. Man konnte erkennen, wie hoch das Wasser in der Regenzeit mal geflossen ist. Schwere Baumstämme und Äste hatten sich am Fusse der Brücke verfangen. Auch sonstiges Holz und Gestrüpp haftete recht hoch an den Baumstämmen der wenigen Bäume am Rande des Flussbettes. Steil bergauf verliess ich den Canyon und die Straße entwickelte sich zu einer schwer befahrbaren Piste. Weicher Untergrund, immer stetig leicht bergauf, dazu Wellblech und etwas Gegenwind kosteten viel Körner, Zeit und Wasser. Bis zur anvisierten Lodges war es noch ein Stück und das Wasser wurde knapp. Ich hatte Durst und Hunger. Wann erreiche ich endlich die Rostock Ritz Lodge? Ein Schild am Straßenrand: Thursty? JA, dachte ich mir. Ein paar Kilometer weiter das nächste Schild: Hungry? JA, das auch schoss es mir in den Kopf. Ein paar Kilometer weiter endlich die Zufahrt zur Lodge. 7km noch bis zur Lodge selbst, und ich war fix und fertig. Ich presste noch die letzten Tropfen aus den Wassersäcken. Mein Hals war pulvertrocken. Weiter, immer weiter. Ich musste es schaffen. Jetzt ging es nur noch über den Kopf. Die schmale Pad ging über eine kleine Anhöhe, die Lodge war in Sichtweite, aber noch weit entfernt. Immer wieder tiefer Sand, kaum ein Vorwärtskommen. Dann wieder über den nächsten Hügel, wieder ein Schwenk. Eine kurze Abfahrt und wieder bergauf. Was für eine Quälerei. Der Helikopter vom Kuiseb Canyon stand auf der Wiese. Und noch kurz vor der Lodge eine steile Rampe. Geschafft. Ich stellte mein Rad an die Wand, schnappte mir eine Trinkflasche, schraubte den Deckel ab, ging die paar Stufen hoch, drückte dem nächsten Bediensteten die Flasche in die Hand und sagte nur noch "Water please". Dann zog es mir die Beine weg, und ich sackte auf den Boden. Die Atmung ging hoch. Ein oder zwei Minuten später kam der bedienstete mit der Trinkflasche. Ich trank vorsichtig sie leer. Endlich Wasser!! Ich hörte nur noch, wie die beiden Männer am Tisch eine Cola für mich bestellten. Cola on the Rocks. Der Bedienstete kam noch mit einer Wanne Wasser und kippte sie mir über den Kopf. Gerade noch rechtzeitig hatte ich meine Digitalkamera aus der Trikottasche herausgezogen. So saß ich pudelnass auf dem Boden der Terasse vor dem Restaurant. So langsam ging es mir besser und ich stand wieder auf. Die Sonne ging schon unter, so spät war es geworden. Ich unterhielt mich noch mit den beiden Männern, bedankte mich bei allen für die Hilfe und verteilte ihnen meine Visitenkarten. Ein Foto vom Sonnenuntergang wollte ich nicht verpassen. Die Lodge hatte ihren Campingplatz 5km entfernt. Schilder dorthin hatte ich vorher zwar registriert, doch ich wusste ja nicht, ob es dort Wasser gibt. Man bot mir eine Lodge zu einem super Preis an, da dort auch nicht viel los war. 400 N$ anstatt für 1000 N$ im Normalpreis. Da nahm ich das Angebot gerne an. Eine tolle Lodge. Alles kleine Iglus, ausgestattet mit Dusche und Doppelbett mit Moskitonetz. Im Restaurant konnte ich noch exzellent speisen. So kam ich wieder bei Kräften.