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    Namibia

5.4.2009 - 7.4.2009

Strecke:
Rostock Ritz Lodge, weiter auf der C14 nach Süden bis Solitaire, C19 bis nach Sesriem, C27, D845, C19, D854 entlang der Naukluftberge, Bülls Port

Ziemlich müde und noch erschöft durch die drei Tage durch die Wüste stand für heute nur eine Kurzetappe zur Erholung an. Nach einem ausgiebig und gutem Frühstück starte ich von der Rostock Ritz Lodge nach Sollitaire. Von der Lodge konnte man herrlich über die Weite Steppe blicken. Alles glänzte grünlich im Morgenlicht der Sonne. Und rot stachen die Dünen und Berge aus dem grünen Meer hervor. So ging es Kilometerweit auf dem Weg nach Solitaire. Die grüne Wüste. Ein paar Strauße rannten über das Feld. Nach nur 50km erreichte ich den berühmten Ort Solitaire. Der Ort bestand lediglich aus einer Tankstelle und einem Campingplatz mit einer Lodge. Alte Autos und Landmaschinen dienen hier nur noch als Zier. Ich fuhr zunächst die Tankstellen an. Gleich kamen ein paar Leute aus Südafrika auf mich zu und wollten Fotos von mir machen. Als Radfahrer in Namibia ist man ja als Exot.
Solitaire ist weltberühmt für den besten Apfelkuchen von Namibia. Diesen lies ich mir auch nicht entgehen und bestellte gleich zwei, da ich ziemlich hungrig war. Die Dame hinter der Theke hatte das nächste Blech frischen Apfelkuchen herausgeholt und packte die Reste des vorherigen Bleches noch oben drauf. Ein Paar aus Düsseldorf lernte ich dort kennen, die ebenfalls Rast machten und einen Apfelkuchen nahmen. Während wir unseren Apflekuchen aßen, unterhielten wir uns. Für die zweite Portion musste ich etwas kämpfen, so viel war es. Doch der Apfelkuchen war sehr lecker. An der Tankstelle bezahlte ich für den Campingplatz und fuhr gleich dorthin. An der Einfahrt lernte ich Peter kennen, ein Deutscher, älterer Herr, der beruflich in Hong Kong tätig war.
Der Campingplatz war noch leer, so konnte ich mir einen guten Platz im Schatten eines Baumes aussuchen. An der Tankstelle hatte ich mir noch ein paar Steaks gekauft. Am Nachmittag habe ich sie dann mit meinem Campingkocher gebraten. Am späten Nachmittag kam ein LKW, umgebaut als Bus, an. Eine bunte Reisegruppe, die von Cape Town zu den Viktoriafällen unterwegs war. Einige bauten Zelte auf, der Reiseleiter kochte Pasta, und alle saßen dann zusammen im Kreis. Es waren auch einige Deutsche dabei, so kam wir schnell ins Gespräch. Die Gruppe war international: ca. 20 Leute aus Kolumbien, Schweden, Holland, Deutschland, Australien, Südafrika. Fast mit jedem unterhielt ich mich am Abend. Manche waren noch Stundenten, andere voll im Job. Die Australierin arbeitet beim Discorvery Channel für die dortige Produktion. Die Holländerinnen studieren in amsterdam Medizin. Die eine hatte einen Entzündung am Finger. Sie hatte schon eine Blutvergiftung und konnte in letzter Sekunde unterwegs einen Arzt aufsuchen und entsprechende Antibiotika erhalten. Eine deutsche Studentin lebt in Johannesburg und studiert dort BWL. Dann war noch der Personalreferent bei Merck in Darmstadt. Er ist dort dafür zuständig, die Entscheidungen des Hauptvorstandes des Unternehmens an die Manager der ausländischen Niederlassungen, insbesondere was die Gehältervorgaben angeht, durchzusetzen und die Manager zu beraten. Er hatte noch aus dem Vorjahr aufgrund etlicher Projekte viel Resturlaub. Da aktuell Leerlauf war, kam die Firma auf ihn zu und frug ihn, ob er nicht Lust hätte, länger Urlaub zu machen. So nahm er sich gleich 6 Wochen Urlaub. 3 Wochen für die Tour von Cape Town nach Victoria Falls, anschließend noch 3 weitere Wochen, um von dort weiter zu reisen. Der Reiseleiter hat mich noch zum Essen eingeladen, es war ja noch genug da. Ich aß noch etwas Pasta und gesellte mich in dieser interessanten Runde. Es wurde viel geredet und Informationen ausgetauscht. Einige verkrochen sich in die Zelte, andere schliefen unter freien Himmel auf dem Dach des LKWs. Ich zog es vor, in mein Zelt zu gehen.
Aufbruchstimmung bei der Reisegruppe, und auch ich packte mein Zelt zusammen. Kurz vor Abfahrt noch ein Gruppenfoto und ich verabschiedete mich von allen. Ein Apple Pie noch als 2. Frühstück und so ging es auch bald weiter. Westlich der Naukluftberge führte die Straße am Rande der Namib Wüste weiter nach Süden. Die Schotterpiste war relativ schlecht, viel Wellblech. Kurz vor Sessriem begegnete ich Strauße und eine Herde Springböcke.
An der Tankstelle machte ich Pause und erfrischte mich mit einer kühlen Cola. Auch hier sprachen mich Touristen aus Südafrika an, wo die Osterferien begonnen haben. Sessriem ist das Eingangstor zu den großen Dünen des Sossusvlei. Mein Plan war, am nächsten Tag früh Morgens mit einem Shuttle zu den Dünen gefahren zu werden, um dann Mittags wieder zurück zu sein und weiter zu fahren. So frug ich an der Rezeption des Camps nach einem Shuttle und die Preise für die Übernachtung auf dem Campingplatz. Man erklärte mir, dass der Shuttlebus Morgens um 5.00 Uhr losfahren und um 5.00 Uhr Abends wieder zurück käme. Es wäre sehr teuer (200 N$). Was will ich den ganzen Tag in der Hitze auf der Düne? So verwarf ich gleich meinen Plan. Außerdem wollte man insgesamt über 500N$ für die Übernachtung inkl. die Parkgebühr für 2 Tage. Also fuhr ich weiter, es war ja noch genug Zeit.
Einige LKWs fuhren an mir vorbei und staubten mich ziemlich ein. Die Straße machte einen Linksbogen, und ich kam am Luxus-Schloßhotel "Le Mirage" vorbei. Bizzar, ein schloßartiger Bau mitten in der (noch) grünen Wüstenlandschaft. Weiter ging's und die Piste wurde zunehmend schlechter. Heftigster Wellblech ließen mich kaum vorwärts kommen. Die Zeit rannte mir davon, die Sonne ging langsam unter. An der nächsten Hauptstraße bog ich links ab und ich fuhr endlich auf einer ebenen Schotterstraße. Es war schon spät, welch ein Stimmung: Links von mir die untergehende Sonne, die inzwischen schon am Horizont verschwand, rechts stieg der Vollmond über die Hügel auf. Fuchsartige Hunde liefen schnell vor mir die Straße entlang. Ich hatte über 30 km/h drauf. An einer Kreuzung fand ich eine Lodge, doch deren Campingplatz befand sich noch im Bau. Man verwies mich auf den nächsten Campingplatz, der nicht weit sein soll. Mittlerweile war es dunkel geworden. Ich montierte meine Fahrradbeleuchtung und fuhr eine holprige Piste immer dem Licht von Häusern entgegen. Nach einigen Kilometern erreichte ich die Campsite Betesda. Müde und erschöpft baute ich im Dunkeln noch mein Zelt auf. Der Boden war steinhart und ich hatte Mühe, die Heringe in den Boden zu hauen. Ich machte mir anschließend eine Portion Nudeln undlegte mich dann auch hin zum Schlafen.
Die Nacht war unruhig. Sturm war aufgezogen. Ich hatte am Morgen ziemlich Mühe, mein Zelt einzurollen. Am Tor von Betesda stand eine einsame Oryx-Antilope. Es war an diesem Tag eine schwierige Etappe. Die ganze Zeit mehr oder weniger bergauf, teilweise schwierig zu befahrende Schotterpiste und ständig heftigsten Gegenwind. Die Straße führte entlang der Naukluftberge, ein Paradies für Wanderer. AM Straßenrand sah ich eine Eidechse, die gerade dabei war, eine Heuschrecke zu vertilgen. Eine Reisegruppe mit ihren Jeeps hielten an und frugen was los wäre. So zeigte ich auf die Echse und die Gruppe hatte ihre Attraktion. Ich fuhr die nächste Rampe herauf und desweiteren hatte ich die Naukluftberge immer links von mir im Blick. In weiterer Entfernung lief ein Kudu die Straße herauf. Das Tier sah recht mager aus, als ich es erreichte. Immer wieder konnte man an den Kuppen über die weite Gebirgslandschaft schauen. Nur wenige Autos fuhren an mir vorbei, so mancher hielt an und sprach mich an. Man hatte mich schon mehrfach unterwegs gesehen. Nach nur 73km und über 6 Stunden Fahrzeit erreichte ich Bülls Port, ein Bauernhof und Gästefarm am Kreuzungspunkt zur C14. Der Campingplatz war relativ teuer und lag ein paar Kilometer von der Farm entfernt. Weitere Gäste fuhren dorthin und ich folgte hinter ihrem Jeep eine schmale Piste entlang. Nach der Durchquerung eines Trockenflusses erreichte den abgelegenen Campingplatz, der wunderschön zwischen den Bergen im Tal lag. Der Campingplatz war nicht groß, aber sauber. Auf einer ebenen Schotterfläche baute ich mein Zelt auf und machte mir was zu Essen. Die Sonne verschwand über den Gipfeln und auf der anderen Seite kam der Mond hervor. Das Lichtspektakel war einzigartig. Neben mir war ein älteres Schweizer Paar und zwei Paare aus Südafrika auf dem Campingplatz. Mit allen verbrachte ich in netten Gesprächen den Abend. Die Südafrikaner hatte ich bereits in Sessriem getroffen.