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Wie war es?
Es war eine Reise mit Höhen und Tiefschlägen, abwechslungsreich mit tollen Momenten. Eine eindrucksvolle Erfahrung für mein Leben. Im Nachhinein die richtige Entscheidung.

Wo hat es dir am besten gefallen?
Kasachstan. Die Menschen waren sehr interessiert und zeigten viel Respekt. Häufig war zu hören: "Malades", was soviel heißt: "Bravo! Klasse!". Oft wurde ich eingeladen, sehr gastfreundlich. Die Natur, die Landschaften phänomenal schön: im Norden die weite Steppe, das Ressort Burabay mit den Seen und Felsformationen, auch "Little Switzerland" genannt, im Süden die Wüstenlandschaften, Erlebnisse mit Sandsturm und Hitze, sowie den Canyon, den wir durchfuhren. Auch das Essen war klasse. Noch heute schwärme ich vom selbstgemachten Kefir und von den saftigen Melonen. Aber auch die Kultur in Zentralasien hat mir sehr gefallen.
Insgesamt hat jedes Land so seinen eigenen Charakter.

In welchem Land war es am schwierigsten?
Eindeutig in China. Abgesehen von der Verständigung, nur wenige sprechen einigermaßen Englisch, waren die Lebensbedingungen äußerst schwierig. Nicht nur wegen der rauen Natur oder des Klimas, beispielsweise im Nord-Westen oder im Hochgebirge, sondern aufgrund der extrem hohen Umweltverschmutzung. Müll ohne Ende, enormer Verkehr, insbesondere in und um Großstädte, mit entsprechenden Abgasbelastungen. Darüber hinaus liegt durch den Bauboom und die Industrie viel Dreck und Staub. Ohne Mundschutz kann man sich kaum draußen aufhalten.
Das Essen ist gewöhnungsbedürftig, zum Teil ziemlich scharf. Die Qualität der Produkte lässt oftmals sehr zu wünschen übrig.
Zur Bevölkerung hatte ich wenig Zugang. Die Menschen sind zutiefst reserviert. Mit der Mentalität der sog. Han-Chinesen hatte ich meine Probleme.

Gab es gefährliche Situationen, möglicherweise Überfälle?
Nein, in keinster Weise. Ich habe auch keine nennenswerte gefährliche Situation im Straßenverkehr erlebt. Da muss man immer aufpassen.

Was hat die Reise gekostet?
Ein Kleinwagen kostet mehr. Ich habe 20,- EUR pro Tag kalkuliert und bin damit gut ausgekommen. Alles in allem war die Reise ungefähr 10.000,- EUR teuer.

Und wie bist du in den Ländern an Geld gekommen?
Überwiegend habe ich mit der Postbank Sparcard oder mit der Kreditkarte Geld an Bankautomaten gezogen. Ausnahmen waren Usbekistan sowie Kambodscha, teilweise auch in Laos. Dort konnte ich Dollar tauschen, die ich reichlich in kleiner Stückelung mitgenommen hatte. Vereinzelt war es auch mit Euro möglich.

Wie viele Kilometer warst du unterwegs?
Auf dem Fahrrad rund 21.000km, mit dem Zug, Bus oder Schiff zusätzlich ca. 9.000km.

Wie viele Reifen hast du benötigt?
In Hong Kong habe ich den 3. Satz Reifen montiert, die ich dorthin versenden ließ. Das lag nicht am Profil, sondern an der hohen Belastung durch das viele Gepäck. Durch die Walkarbeit beginnen die Schwalbe Marathon Reifen innen, meist an der Naht zur Sicherheitsschicht, zu reißen. Der Verschleiß entsprach den Herstellerangaben.

Wie viele Pannen hattest du?
Ein paar Platten sind normal. In China war mir die Hinterradfelge gerissen, die ich in der nächsten Großstadt Chengdu ersetzen konnte. Ab Vietnam hatte ich massive Probleme. Fast tagtäglich riss eine Speiche, die ich zum Glück immer austauschen konnte. Soetwas war ganz schön nervig und kostete mir jedes Mal viel Zeit.

Woher bekamst du Ersatzmaterial?
In Zentralasien oder Südostasien sind kein Ersatzteile zu bekommen. In den Hauptstädten gibt es meist ein Fahrradgeschäft. Ansonsten war es schwer, passende Komponenten zu finden. Nach Hong Kong habe ich mir ein Paket schicken lassen.

Was gab es zum Frühstück?
Auf mein morgendliches Marmeladenbrot wollte ich nicht verzichten. Brot war meist immer irgendwie zu bekommen. In China hab ich mich mit fertiger Nudelsuppe oder mit Haferflocken beholfen. Gerne nahm ich zur Abwechslung auch ein landestypisches Frühstück, z.B. in China: gebratenes Gemüse, Dampfnudeln und Reissuppe. Falls Käse zu bekommen war, gönnte ich mir diesen Luxus.

Mit welchem Ziel gingst du auf diese Reise, was wolltest du erreichen?
Ich wollte mal genau sehen, was sich wirklich in den einzelnen Ländern verändert. Man liest viel und sieht viel über die Medien. China zum Beispiel entwickelt sich besonders schnell. Aber mit eigenen Augen zu sehen, was im Lande passiert, das war mein Ziel. Auch wollte ich für mich persönlich Erfahrungen sammeln.

Hast du irgendetwas auf der Reise von der Klimaveränderung bemerkt?
Ich selbst habe davon wenig bemerkt, aber mit Leuten darüber gesprochen, welche meinten, dass sich tatsächlich etwas verändern würde. Zum Beispiel dass im Hochgebirge im osttibetischen Raum die Niederschläge intensiver geworden sind. Die Auswirkungen von Überschwemmungen konnte man zum Teil noch davon sehen, so zum Beispiel die gravierenden Erosionen im Gebirge.

Wie gingen die Menschen mit der Umwelt um?
Je weiter ich nach Osten kam, desto weniger war das Umweltbewusstsein da. Ganz schlimm war es in China. Der Ressourcenverbrauch war ohne gleichen, die Umweltverschmutzung ganz massiv. Überall Staub, schlechte Luft, sowie Plastikmüll ohne Ende. In Südostasien bekommt man beim Kauf einer Flasche Cola automatisch noch einen Strohhalm und eine Plastiktüte dazu. Der Müll wird einfach vor der Haustür durch die Gegend geworfen und später größtenteils wild verbrannt. Man nutzt zum Beispiel auch den Plastikmüll, um Feuer einzuheizen. Plastik brennt halt gut. Darüber ist dann der Suppentopf am Morgen, welcher warm gemacht wird.
Die andere Sache ist auch, wohin mit dem Zeug. Es sind geografische Begebenheiten, wo ein Abfallsystem gar nicht installiert werden kann. Das sind zum Teil extrem ländliche Gebiete, somit eine Müllabfuhr wie bei uns logistisch gar nicht machbar. Abgesehen davon würden die Leute von ihrem Bildungsniveau ein Trennungssystem überhaupt nicht verstehen. Ich habe einen Amerikaner kennen gelernt, welcher dagegen in Thailand ankämpft mit dem Slogan: „Think before you throw!“, um auf all diesen Plastikmüll, welcher am Straßenrand lag, aufmerksam zu machen und damit den Leuten ein gewisses Umweltbewusstsein zu wecken. Aber das ist ein sehr langsamer Prozess.
Auch der Straßenverkehr in den Städten war ganz schlimm. Von Guangzhou bis Hongkong musste ich jeden Abend die Radklamotten waschen, da sie so schmutzig wurden. Das Wasser war anfangs ganz schwarz. Ohne Mundschutz war es nicht zum Aushalten. In Russland war es ähnlich gewesen. Ich würde sagen, dass die Umweltverschmutzung in diesen Ländern sichtbar ist, dagegen bei uns in Europa sie einfach unsichtbar ist, dennoch genauso schlimm.

Wie waren dann die Menschen miteinander, untereinander oder auch zu dir?
Also bei den muslimisch geprägten Ländern war die Gastfreundschaft besonders hoch. Ich wurde oft eingeladen, ob das nur zum Tee war, zu Melone oder auch zu Übernachtungen. Oder ich wurde einfach so beschenkt. Diese Begegnungen vergisst man für ein Leben nicht.
In Thailand waren die Leute überaus freundlich und hilfsbereit. Sie möchten immer helfen, auch wenn abzusehen ist, dass es nicht funktionieren wird. In Vietnam waren die Leute sehr freundlich, grüßten von allen Seiten. Das war manchmal anstrengend. Man könnte meinen die Vietnamesen sind so locker drauf, die stehen alle unter Drogen. Die Gelassenheit in Südostasien hat mich sehr beeindruckt. Da kann die Straße matschig sein wie sie will, und da lachen die Menschen immer noch darüber.
Die Chinesen waren zurückhaltend, zugleich aber neugierig. Als Exot fällt man ja sofort auf.

Gab es in diesem Zusammenhang auch negative Erfahrungen? Wurdest du manchmal von gewissen Leuten abgezockt?
Selten. Man wird nicht immer als Tourist sofort abgezockt, sondern vielmehr speziell in den Touristenecken. Klar, auf den Märkten musste man immer handeln. Vom Aussehen falle ich als Ausländer auf, ich kann ja mein Gesicht nicht umstellen. Dann wird der Preis mal schnell doppelt, dreifach oder vierfach so hoch angesetzt. Wenn man die Preise ein bisschen kennt, kann man sich vor Abzocke schützen und das Spiel auch umdrehen. In China waren die Leute sehr "Business" getrieben. Da wurde die Notsituation gerne unverschämt ausgenutzt. Andererseits gibt es Situationen, da hat man einen Touristenbonus. In einem überfüllten Bus in Usbekistan bekamen wir dadurch einen Sitzplatz, dass die Einheimischen extra aufstanden.

Wie hast du dich verständigt? Kannst du chinesisch?
Vor der Tour habe ich an der Volkshochschule einen Einsteigerkurs "Russisch" besucht. Zumindest konnte ich die kyrillischen Buchstaben entziffern und mit den Wörterbüchern etwas Russisch sprechen. Dadurch war ich in der Lage, in den Russisch sprechenden Ländern (Ukraine, Russland, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan) mich einigermaßen zu verständigen. In China war es deutlich schwieriger. Chinesisch versuchte ich mir mit einem chinesischen Wörterbuch beizubringen, das war aber zu schwer. Vor allem auf dem Land kommt man mit Englisch nicht weiter. Selbst die Symbole aus dem Ohne-Wörter-Buch verstanden manche Chinesen nicht. Ansonsten klappte die Verständigung nur mit "Händen und Füßen".

In welchem Land gab es die größten Unterschiede zu Deutschland? Und wo lagen die?
Das ist 'ne schwere Frage, jedes Land hat so seine Eigenart. Ich denke, China war ganz extrem. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise und der Definition. Zum Beispiel das Thema "Rauchen". Bei uns ist Rücksichtnahme in den meisten Fällen selbstverständlich, das Rauchverbot mittlerweile gesetzlich verankert. Jeder weiß, was die Verbotsschilder bedeuten, wenngleich sich nicht jeder daran hält. In China hat es eine andere Bedeutung. Das heißt, man darf die Zigarette im Raum nicht anzünden, aber der Rauch darf in den Raum hineinziehen. Diskussionen darüber bringen nichts. Grundsätzlich fehlt das Verständnis. Vielerorts wird geraucht, sogar in den Supermärkten. Die Zigarettenkippen werden überall, selbst im Gang im Hotel, achtlos weggeworfen. Na ja, so ist China.

Was hat dich am meisten geschockt bei der Reise?
Einen Kulturschock erlebte ich in Ungarn, als ich auf einer Gänsefarm gelandet war. Ich habe mich ein bisschen verfahren, die Straße war zu Ende, es wurde dunkel. Da war ich auf einem Bauernhof gelandet und fragte, ob ich bei ihnen übernachten könnte. Ich musste erst warten, dann führten die Arbeiter mich in ihr Haus. Unter katastrophalen Umständen, Dreck ohne Ende, leben sie dort. Das Brot auf dem Tisch wollte ich gar nicht anfassen. Es war eine Gänsefarm mit tausenden von Gänsen, die innerhalb von wenigen Wochen gemästet wurden für den deutschen Markt. Das hatte ich in dem Land so nicht erwartet und war davon geschockt. Dass in China allerlei Tiere, wie Hunde, Katzen, Ratten, verspeist werden, fand ich jetzt weniger schockierend, weil ich das wusste.
Erschreckend fand ich auch die Geschichte von Kambodscha. In dem Land tobte lange Zeit ein brutaler Bürgerkrieg. Von den Nachwirkungen des Terrorregimes von Pol Pot hat es sich immer noch nicht erholt. Eine große Gefahr stellen die Millionen, zum Teil noch unentdeckten, Minen dar. Jedes Jahr werden durch Minenexplosionen mehrere tausend Menschen getötet oder verletzt. Über die geschichtlichen Hintergründe kann man sich in den Gedenkstätten informieren. Die Wunden des Terrors sitzen noch sehr tief, die Leute wollen nicht darüber reden. Jede Familie hatte einen Toten zu beklagen. Das willkürliche Morden übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Der Genozid hat ein Drittel der damaligen Bevölkerung betroffen. Ein Guide hat es verglichen mit dem Holocaust während des Faschismus in Deutschland.

Wie waren die politischen Einstellungen, gerade speziell China oder sonst in den Ländern?
In vielen Ländern herrscht massiv Bürokratie und Korruption. Das spiegelt sich insbesondere in den Visa- und Einreisebestimmungen sowie bei den Grenzkontrollen wider. Gerade die Korruption ist ein großes Problem, besonders groß in Kambodscha. Zum Teil war ich selber davon betroffen. Zum Beispiel an der Grenze in Kambodscha musste ich für das Visum etwas mehr bezahlen als offiziell. Das wusste ich bereits vorher. Dadurch habe ich die Zöllner allerdings auch wieder ausgetrickst und bezahlte weniger, als sie zuerst gefordert hatten. Das Geld geht prinzipiell in die eigene Tasche. Die Touristen stehen in der Abhängigkeit davon, dass sie neben dem Visum den zugehörigen Einreisestempel brauchen. Die Grenzbeamten nutzen natürlich diese Situation schamlos aus und verlangen einen beliebigen Preis. Aus Berichten weiß ich, dass man bei anderen Grenzübergängen entweder zahlt oder zurück muss. Auch werden verschiedene Geschichten erfunden, um die Unwissenheit der Touristen auszunutzen. Dadurch verdienen die Grenzbeamten ihre goldene Nase.

Sprache
dezh-CNnlenfritrues