Angkor Wat

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Als erstes wollte ich den Tempel bei Banteay Srei besichtigen. Aber ohne das Angkor-Ticket, das vor Ort nicht erworben werden konnte, wurde mir der Zutritt verwehrt. Zwischen unzähligen Tuk-Tuk-Fahrern und Touristenbussen machte ich mich auf den Weg nach Siem Riep.
Unterwegs besuchte ich das "Kambodscha Landminen Museum", gegründet von Aki Ra, der nach den verheerenden Kriegen sich zur Lebensaufgabe machte, sein Land vom Horror der Landminen zu befreien. Er selber legte als Kindersoldat für die "Roten Khmer" Minen und begann später diese mit einfachsten Mitteln zu entschärfen, was heutzutage seine Organisation "Cambodian Self Help Demining" (CSHD) mit professioneller Ausrüstung fortsetzt. Mit diesem Museum möchte er nicht nur darüber aufklären, sondern außerdem Kinder, die Opfer von Landminen wurden, ein betreutes Heim zur Verfügung stellen.

In Kambodscha sind nicht nur Millionen von Minen vergraben, sondern es liegen auch noch massenhaft Blindgänger von den Flächenbombardierungen der Amerikaner während des Vietnam-Krieges, das auf das kambodschanische Territorium überschwappte. Ein hohes Gefahrenpotential für die Zivilbevölkerung, auch heute noch werden dadurch mehr als 3.000 Menschen jährlich verletzt oder getötet.
Die Probleme bei der Beseitung der Landminen bestehen darin, dass es erstens keine Aufzeichnungen gibt, wo sie liegen, und zweitens in den vielfältigen Bautypen mit unterschiedlichen Zündmechanismen, damals u.a. aus amerikanischer, deutscher (DDR), russischer oder chinesischer Herstellung.
Zuerst legten die "Roten Khmer" wahllos Landminen, indem sie Kinder, belohnt mit einem Essen, dazu zwangen. Die Kinder bekamen ein Sack Minen und vergruben diese nach ihrem Gutdünken. Bis zu 1000 Minen schaffte ein Kind pro Tag. Im Gegenzug wurden die Minen von den Regierungstruppen verteilt, und später von der vietnamesische Armee, die die "Roten Khmer" an die thailändische Grenze zurückdrängte. Deshalb ist insbesondere der Nord-Westen des Landes von Minen stark verseucht.

Egal, ob auf einer Fläche nur eine oder hunderte Minen versteckt sind, der Aufwand ist gleich hoch. Denn jeder Quadratzentimeter muss abgesucht werden. Eine Mine zu verlegen, kostet 1,-$, sie zu beseitigen 1.000,-$.
Im Landminen-Museum sind nicht nur entschärfte Munition und Minen ausgestellt, sondern auch die Folgen davon sowie Berichte und Bilder zur damaligen Zeit zu sehen. Eine Geschichte, die ich dort entnommen habe: Während Aki Ra eines Tages Minen und Sprengfallen legte, wurde er von Mönchen beobachtet. Als er ins benachbarte Lager zurückgekehrt war, hörte er einen lauten Knall. Die Mönche hatten aus Neugier sich selbst in die Luft gesprengt.
Bill Morse, ein amerikanischer Ex-Geschäftsmann, der in 2009 zusammen mit seiner Frau Jill nach Kambodscha zog, um im Museum zu arbeiten und die Arbeiten der CSHD vor Ort zu unterstützen, schilderte ausführlich über die Minenräumung und die aktuelle Situation. Besonders kritisch sind die Doppelminen, bei denen zwischen zwei Minen eine ungesicherte Handgranate installiert wurde, die explodiert, wenn die obere Mine einfach entfernt wird.

Mit diesen schweren Eindrücken fuhr ich nach Siem Reap, wo ich mich mit zwei netten, deutschen Backpackerinnen, die ich am Landminen-Museum kennen gelernt hatte, zum Abendessen verabredet hatte. Gewarnt wurde ich von den sog. "Happy Pizzas", bei denen Glücklichmacher in Form von Drogen beigemischt werden. Zu später Stunde waren Prostitution und Drogen kaum zu übersehen, worauf eine der beiden Backpackerinnen mehrfach angesprochen wurde. Auch wurde man ständig von den Taxi-Fahrern bedrängt: "Do you need a Tuk-Tuk?".

Die Besichtigung der imposanten Ruinen von Angkor hatte ich mir für die nächsten Tage vorgenommen.
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