Tief im Dschungel

Beitragsseiten

Zum Abschluss der Runde um den Komplex von Angkor Wat wollte ich die abgelegenen Tempel besichtigen. Die Zufahrt zur Roluos-Gruppe fand ich nicht, daher fuhr ich weiter nach Beng Melea, einer völlig von Vegetation überwucherten und zerfallenen Tempelanlage.
1km vor dem Tempel war am Abend der Weg zu Ende. An der Kontrollstation waren 5,-$ Eintritt fällig. Da es ohnehin dunkel wurde, wollte ich unmittelbar in der Nähe des Tempels übernachten und ihn am nächsten Morgen anschauen. Unterstützung bekam ich von einem freundlichen Beamten, der meinte, dass ich auch hier am Eingang übernachten könnte. Es gäbe eine neue Toilettenanlage, und andere Radler hätten vor kurzem unterm Pavillon geschlafen. Wieso nicht, und wenn es andere bereits getan haben. Vor diesem Hintergrund fühlte ich mich sicher, machte es mir unterm Pavillon zwischen den Bänken gemütlich und kochte mein Abendessen. Daneben schliefen später zwei Männer in ihren Hängematten. "Begleitschutz" hatte ich also auch.

Noch bevor um 9 Uhr morgens die Touristen heranströmten, ging ich mutterseelenallein durch die total zerfallene Tempelanlage. Die Natur hatte dort alles im Griff. Das Gemäuer war von den Wurzeln der Bäume überwuchert, Vögel und kleine Echsen schwirrten umher. Das Ganze im Zusammenspiel mit der Morgensonne lieferte eine besondere Kulisse.

Im kleinen Ort Ou endete die bis dahin gut zu befahrene Schotterpiste durch eine Landschaft geprägt von viel Buschwerk und großen Bäumen. Mittendrin im Nichts leben tatsächlich vereinzelt Menschen in einfachen Holzhütten.
Hinter der letzten Siedlung kämpfte ich mich einsam und allein unter extremen Bedingungen auf schwierigen Untergrund durch den Dschungel. Die Sonne brannte gnadenlos herunter, nur der leichte Fahrtwind machte die Hitze erträglich. Im dichten Trockenwald ertönten die unheimlichsten Rufe verschiedener Tiere. Eine gespenstische Atmosphäre, die mit dem schrillen, ohrenbetäubenden Zirpen der Grillen verstärkt wurde.


Im Umkreis war nichts zu sehen, keine Orientierung, verlassen im Dschungel. Immer wieder rechnete ich die Kilometer bis zum nächsten Ort Ta Seng nach. Die ganze Zeit beschäftigten sich meine Gedanken damit, reicht das Wasser, ist es noch die richtige Richtung. Ich versuchte, locker zu bleiben. Kleine Anhaltspunkte und Spuren gaben mir die notwendige Sicherheit, dass ich das Tagesziel erreichen würde.
Als ich nach Stunden Teile des verlassenen Tempels Preah Khan erkennen konnte, war der Ort nicht mehr weit entfernt. Auch wenn ich es nicht heraufbeschwor, oder ob ich es nur ahnte, dass es wieder Zeit war für einen Speichenbruch. Idealerweise passierte das genau kurz vor dem Ort, wo ich aufgetankt mit kühlen Getränken mich ans Werk machte. Zügig war das Hinterrad repariert. Bei so vielen Speichenbrüchen laufen die einzelnen Schritte inzwischen routiniert in einem Handgriff ab.

Ich bunkerte reichlich Wasser, zum Trinken und Waschen, und machte mich auf den Weg wieder hinein in den Dschungel. Im weichen Sand war kaum ein Durchkommen. Die Zeit lief mir davon, denn die Sonne ging unter. Wie der glückliche Zufall es wollte, entdeckte ich eine leerstehende Behausung, wo ich eine abenteuerliche Nacht verbrachte.

Im Wald schallte ab und an dieser markante Ruf, der mich seit Thailand ständig verfolgte. Ich fragte mich, welcher Nachtvogel dies sei.
<< Zurück - Weiter >>
Sprache
German Chinese (Simplified) Dutch English French Italian Russian Spanish