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London Marathon TeamEnde April nahm ich zusammen mit drei Arbeitskollegen am Virgin Money London Marathon teil. Für mich der erste Marathonlauf überhaupt.
Die 42,195 Kilometer lange Strecke, eine Sightseeingtour durch Englands Hauptstadt, absolvierte ich in einer fantastischen Zeit von 2:59.17h. Es war ein beeindruckendes, unvergessliches Erlebnis.

Da das Kontigent für Ausländer ziemlich limitiert ist, mussten wir uns bereits ein Jahr im Voraus anmelden. Über die Reiseagentur DER-Tour konnten wir die begehrten Startplätze ergattern.
Nach der Ankunft am Freitag haben wir mit einem lockeren Lauf durch den Hide Park vorbei am Buckingham Palast und in der City erste Eindrücke der Metropole gewinnen können. Neben der geführten Stadtrundfahrt gehörte zum Programm am Samstag ein Vortrag von Markus Ryffel, ein bekannter, erfolgreicher Schweizer Marathonläufer, der uns wertvolle Tipps zum Marathon gab. Danach holten wir in der Messehalle unsere Startnummrn ab und stimmten uns beim Gang durch die Menschenmassen zwischen den zahllosen Ständen der Sponsoren und Anbieter auf das grosse Event ein.
Mit einer abschliessenden, kurzen Laufeinheit bereitete sich jeder von uns individuell für den grossen Lauf vor. Die Anspannung stieg von Stunde zu Stunde. Stimmt alles? Mehrere Monate Training auf den Tag x sollten wohl kurz vorher nicht zunichte gemacht werden.

In der Nacht schlief ich schlecht. Zu angespannt und nervös war ich. Früh brachte uns der organisierte Bus direkt zum Startplatz. Um die Wartezeit zu überbrücken, beobachteten wir die anderen Teilnehmer, saugten die eindrucksvolle Stimmung auf und fachsimpelten. Meine Marathontaktik war, die ersten 15km in 4:20min/km, dann für die nächsten 10km mit 4:10 min/km Gas zu geben und die restliche Strecke mit einer mittleren Geschwindigkeit von 4:15 min/km durchzulaufen, um das hoch gesteckte Ziel unter 3:00h erreichen zu können.
So allmählich füllte sich der Platz. Langsam wurde es Zeit, sich fertig zu machen sowie in die uns zugewiesenen Startblöcke zu begeben. Martin startete weiter vorne, während Daniel, Thomas und ich im gleichen Startblock standen.

Es war wechselnd bewölkt und kalt, aber trocken. Ideales Marathonwetter für schnelle Zeiten. Der Startschuss viel. 40.000 Läuferinnen und Läufer setzen sich in Bewegung. Einige Minuten später überquerte auch ich die Startlinie. Sowohl den Puls als auch die Laufgeschwindigkkeit auf meiner Pulsuhr immer im Blick versuchte ich meine Marathontaktik so gut es ging umzusetzten. Im riesigen Teilnehmerfeld war es ziemlich schwierig, den idealen Laufweg zu finden. Martin hatte ich bereits nach wenigen Kilometern überholt.
Vom ersten Kilometer an säumten dicht, teilweise mehrreihig, die Zuschauer entlang der Stecke. Neben den zahlreichen Musikgruppen machten sie eine wahnsinnig tolle Stimmung. Es wurde angefeuert, gejubelt, geschrieen, getrommelt oder einfach nur gewunken. Da fühlte man sich so richtig wie ein Held. Bei Kilometer 12 konnte man gut über die lange Gerade blicken. Die Strasse voller Läufer, rechts und links die jubelnden Menschenmassen. Gänsehaut pur.

London Marathon 2016In der Euphorie lief ich bis dahin etwas schneller als nach Plan. Langsamere bremsten mich immer wieder aus, sodass ich auf den Rand auswich. Doch dann das Maleur. Beim Überholen kam ich an der Absperrung ins Straucheln und stürzte. Ich rappelte mich sofort wieder auf, zum Glück war keiner über mich gefallen. Mit dem Schrecken und dem Adrenalin im Blut nahm ich sofort wieder Tempo auf.
Mit einem ohrenbetäubendem Lärm peitschen uns die Zuschauer über die Tower-Bridge. Zur Hälfte zeichneten sich bei den ersten Teilnehmern schon Krämpfe ab. Viele machen den Fehler, den Marathon viel zu schnell anzugehen. Auch bei mir zuckte es kurz im Oberschenkel, aber ich versuchte, dem mit mehr Trinken entgegen zu wirken. Sonst fühlte ich mich gut. Ich hoffte, keinen Einbruch erleiden zu müssen.
Später das nächste Missgeschick. Beim Herausholen meines Sportgels hatte sich dessen Verschluss geöffnet, sodass ein Teil sich in der Rückentasche verteilte sowie an meinen Händen klebte. Noch über 1 km bis zur nächsten Wasserstelle, wo ich mir eine Flasche schnappte, um das klebrige Zeugs von meinen Händen zu spülen. Ich dachte mir, irgendwie gehört sowas wohl dazu.
Auf den letzten 10 Kilometern wurde es zunehmend härter. Immer wieder rechnete ich mir die Zeit aus. Ob es für die magischen 3 Stunden reicht? So kämpfte ich mehr mit mir, weshalb ich die begeisterten Zuschauer kaum noch registrierte. Das Tempo konne ich jedoch halten, der Einbruch blieb also aus. Klein Glück hatte ein Läufer kurz vor mir. Er brach auf dem finalen Kilometer zusammen und hatte somit das Ziel leider nicht mehr geschafft.

Vorbei am Buckingham Palast setzte ich noch zum Schlusssprint an. Mit einer Punktlandung setzten erst 10 Meter vor dem Ziel die Krämpfe ein. Wow, ich habe es doch tatsächlich geschafft, die 42,2 km lange Marathonstrecke mit einer phänomenalen Zeit von 2:59:19 Std. zu beenden. Es waren so überwältigende Gefühle, dass ich mich erst einmal an den Strassenrand setzte und anfing zu weinen.

Im Endergebnis kam ich auf den 1972. Platz (421. Platz im meiner Alterskategorie), womit ich sogar 8. von knapp 200 Deutschen Finishern war. Auch meine Kollgen konnten individuelle Erfolge feiern. Sowohl Daniel Schnyder mit 3:20:10 Std. als auch Thomas Schweizer mit der Schnapszahl 3:33:33 Std. konnten ihre persönliche Bestzeiten um rund 20 Min. unterbieten. Martin Ryser, der als langjähriger Marathon-Wiederholungstäter seine besten Finisherzeiten bereits hinter sich lässt, beendete den Lauf nach Muskelkrämpfen immer noch in der respektablen Zeit von 3:29:05 Std. Inspirierend war auch die Tatsache, dass der Sieger Eliud Kipchoge nur 8 Sekunden über dem Weltrekord lag und damit einen neuen Streckenrekord aufstellte.

Herzliche Gratulation zu dieser tollen Teamleistung.

Zum detailierten Ergebnis

London Marathon 2016