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Eigentlich wollten wir von Tuzköl nach Norden zur Grenzstadt Qalzhat, um nicht den gleichen Weg zurück nehmen zu müssen. Auf der Karte war dementsprechend eine Strasse eingezeichnet. Sicherheitshalber erkundigten wir uns vor Ort nach dem Weg. Ein Bauer auf einem alten, knatternden Traktor erklärte uns, dass wir einfach dem Fluss entlang das Tal aufwärts fahren brauchen. Wenn das Tal enger wird, dann nach links abbiegen.

Den letzten Ort der Zivilisation hatten wir hinter uns gelassen, die Stromleitungen endeten hier. Vor uns lag eine weite Hochebene, eingerahmt zwischen zwei mehr als 3500m hohen Bergketten. In Sichtweite zogen wir an Jurten vorbei. Verschiedene Herden verteilten sich über die endlos scheinende Landschaft. Unzählige Bachüberquerungen unterbrachen unseren Fahrrythmus. Welch eine unberührte Landschaft, welch unbeschreibliche Weite. So schön goldig le uchtete das vertrocknete Gras in der tiefstehenden Abendsonne.

Die Nacht war zwar kalt, dagegen wurde es tagsüber mit der Sonne wieder angenehm warm. Am Morgen wartete ein Hund unweit von unseem Zelt. Woher er wohl kam? Wir wissen es nicht. Jedoch folgte er uns still und leise.
Während wir an den Jurten vorbeikamen, zog unser vierbeiniger Begleiter die Aufmerksamkeit der aggressiv bellenden Wachhunde auf sich. Jedenfalls liess er sich nicht berirren und trottete mit eingezogenem Schwanz einfach weiter.

Wir radelten dem Talende entgegen, doch uns kamen so langsam Zweifel auf, als sich die Piste mehr oder weniger auflöste. Wo sollte es über den Berg gehen? Wir liessen die Räder stehen und begaben uns auf eine kurze Erkundungswanderung. Da diese aber keine Antwort brachte, entschlossen wir uns, hier zu übernachten. Wir vertilgten die letzte Portion Teigwaren mit Tomatensauce, die Reste gaben wir dem hungrigen Hund, der bis hierher treu mitgelaufen war.

Bevor wir am nächsten Morgen aufbrachen, kündigte eine Staubwolke eine vorbeiziehende Schafherde an. Sofort stürzten die Hirtenhunde sich auf das extra für unseren Hund bereit gestellte Essen. Das wenige, was wir ihm geben wollten, da unsere Essensvorräte zur Neige gingen. Die Hirten hoch zu Ross bestätigten unsere vermutete Richtung, in die es wortwörtlich weiter ging. Denn zum Fahren war es viel zu steil. Noch waren wir optimistisch, zum Ort Qalzhat zu gelangen, obwohl nun kein Weg mehr vorhanden war.

Mühevoll stiessen wir zu zweit unsere schweren Velos Stück für Stück quer im Zickzack über den unwegsamen Hang hinauf. Wir mussten irgendwie verrückt sein, diese Tortur auf uns zu nehmen. Mit dem Pferd wäre dies viel einfacher als mit unseren High-Tech-Drahtesel. Davon unbeeindruckt folgte unser Hund anhänglich jeden Schritt, wenn auch der Weg doppelt zurückgelegt wurde. Welch eine treue Seele, dachten wir.
Die Zeit verrinnte, kaum ein Vorwärtskommen, darüber hinaus schwanden allmählich unsere Kräfte. Schliesslich erklommen wir ohne Velo den Gipfel, um uns einen Überlick über die gigantische Landschaft zu verschaffen. Eine super Aussicht erwartete uns auf 3300m Höhe. Einserseits unüberwindbare Berge, andererseits ein Fluss, der nach China ins Nichts führte. Wo war bloss die Piste nach Qalzhat, fragten wir uns. Und nun? Sackgasse! Da blieb uns nur übrig, umzukehren. Zumal unsere Lebensmittel gerade noch für einen Tag reichten. Wasser indes war nie ein Problem, überall rauschten kleine oder grössere Bäche von den Bergen hinab.
Also liefen wir den Hang hinunter bis ins Tal und fuhren den ganzen Weg wieder zurück, von dem wir hergekommen waren. Ebenso kam unser Begleiter mit und rannte die ganze Zeit uns hinterher, auch wenn wir zwischendurch schneller unterwegs waren. Er liess sich nicht abschütteln. An den Bachüberquerungen holte er uns immer wieder ein. Gegenüber anderen Hunden wurde er immer mutiger und verteidigte sogar sein Revier um unser Zelt. Da hatten wir also einen richtigen Aufpasser.

Am nächsten Mittag erreichten wir endlich den Ort Karasaz, wo wir unsere Essenvorräte wieder auffüllen konnten. Unseren ersten Hunger stillten wir mit leckerem, frisch gebackenem Fladenbrot. Eine besondere Belohnung hatte unser treuer Hund, der abgekämpft im Schatten lag, nach der langen Strecke absolut verdient. Welch unglaubliche Leistung, neben der heutigen Marathondistanz lief er doch insgesamt über 100km in den letzten Tagen.