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Von Schonzy ging es schnurstracks gerade aus in die fruchtbare Ebene des Ile, der Hauptfluss des Siebenstromlandes. Auf der breiten Hauptstrasse begegneten uns vereinzelt von einem Esel gezogene, mit dunkelgelb leuchtendem Mais gefüllte Karren. Die Ernte war voll im Gange.
Anstelle einer Staubpiste nahmen wir den Umweg zur neuen Autobahn, welche von China nach Almaty führte. Noch wurden die letzten Arbeiten verrichtet, nichtsdestotrotz war sie für den Verkehr schon freigegeben. Endlich hatten wir wieder eine gut ausgebaute Strasse ohne Schlaglöcher. Wenn nicht der stramme Gegenwind wäre, würde es auf dem ebenen Beton so schön rollen.

Relativ wenige Autos rasten an uns vorbei, ansonsten waren es hauptsächlich schwer beladene LKWs sowie der Baustellenverkehr. Niemand störte sich an uns auf der Autobahn. Im Gegenteil, mancher hielt kurz neben uns an und fragte, woher wir kämen.
Sonst bot uns die Strecke durch die Halbwüste wenig Abwechslung. Fasziniert war Nadine von den Strukturen des Windes auf den Sanddünen, weshalb etliche zum Schutz vor Verwehungen speziell abgedeckt waren. In der Ferne waren die Gipsberge zu sehen, die wir aus Zeitmangel leider nicht mehr aus der Nähe besichtigen konnten. Hin und wieder unterbrachen die überaus langen Güterzüge auf der parallelen Eisenbahnlinie die Monotonie.

Später lernten wir einen gut gelaunten Veloreisenden aus Japan kennen, obwohl er auf der anderen Seite der Autobahn mit einem scherwiegenden Defekt, mehrere Speichen am Hinterrad waren gebrochen, stehen geblieben war. In 2009, also vor 8 Jahren, mit seiner Veloreise in Alaska gestartet befand er sich jetzt auf den Weg nach China.

Inzwischen war es Zeit, einen Schlafplatz zu suchen, den wir hinter einer Düne etwas abseits der Autobahn fanden. Dort beobachteten wir das kurze, wunderschöne Naturspektakel, als die rote Sonne hinterm Horizont verschwand.

Am nächsten Tag hatte sich der Wind glücklicherweise gedreht. Mit gutem Rückenwind steuerten wir zügig auf Schelek zu, wo wir die Autobahn verliessen. Wir streiften kurz durch den Bazar und versorgten uns mit dem Nötigsten. Ferner genoss Frank den bisher besten Samsa, frisch gebacken aus dem Steinofen.
Von Schelek aus fuhren wir weiter auf der Nebenstrasse entlang am "Grossen Almaty Kanal". Gebaut in den 80er Jahren für die Bewässerung der Felder wird darin das Wasser vom Shelek-Fluss über 100km weit bis nach Almaty geleitet. Neben Mais, Kartoffeln und Gemüse wird vor allem Paprika angebaut, deren Schoten schön bunt leuchteten.
In grossen Schritten waren wir vorangekommen, an diesem Tag knackten wir erstmalig die 100km Marke. Noch zwei Tage Zeit und 130 Kilometer, das sollte locker zu schaffen sein. Es war nicht gerade einfach, einen geeigneten Platz zum Zelten zu finden. Nach langer Suche bauten wir letztendlich im Dunkeln versteckt am Kanal unser Zelt auf.

Nachdem die aufgehende Sonne uns einwenig aufgewärmt hatte, brachen wir auf. Weiter immer geradeaus am Kanal entlang kamen wir an zahlreiche, zum Teil sogar hinter Stacheldraht gesicherte, moderne Apfelplantagen vorbei. Für den Apfel ist Almaty ja besonders bekannt.

Plötzlich war die Strasse unterbrochen. Sie war wohl vor einiger Zeit von dem reissenden Fluss weggespült, aber noch nicht wieder hergerichtet worden. Wir folgten einen Weg durchs Flussbett und durchquerten mutig den Fluss, dessen starke Strömung unsere ganze Kraft forderte. Fast wäre Franks Vorderradtasche losgerissen worden. Lediglich etwas Wasser ist in die Tasche eingedrungen, ansonsten ist zum Glück nichts passiert.

Im Laufe des Nachmittags verschleierte hochnebelartige Bewölkung die Sonne. War es Staub aus der Wüste oder die Luftverschmutzung aus Almaty, die die Luft trübte? Wir wissen es nicht.
Jedenfalls kurz vor der Stadt Talgar hörte der Fahrspass gänzlich auf. Zuerst tuckerten unzählige, schwere LKWs von resp. zur Kiesgrube an uns vorbei. Durch sie war die Strasse stellenweise so kaputt, dass sie nur noch im Schritttempo durch die Schlaglöcher hoppelten. Danach unerträglich viel Verkehr. Gab es für einen Moment eine Lücke, um Luft zu holen, stank es nach verbranntem Müll. Die 10km bis ins Stadtzentrum zogen sich hin, wo völliges Verkehrschaos herrschte. Stau, Lärm und Abgase ohne Ende.

In einem grossen Supermarkt gönnten wir uns eine kleine Verschnaufpause. Es war schon spät geworden. Darum hofften wir, unmittelbar hinter der Stadt ungestört zelten zu können. Die Strasse stieg leicht an, vorbei an einem Plattenbau-Wohnblock. Wir überquerten den gewaltigen Murenschutzwall, der nach einem schweren Murenabgang 1973 errichtet wurde.

Nachdem wir den Wassersack am Talgar-Fluss aufgefüllt hatten, suchten wir zunächst vergeblich einen Platz zum Übernachten. Das tiefe Tal schien ganz schön wild, zumal Hangrutschungen und Überspülungen des letzten Unwetters zu erkennen waren. Mittlerweile war es dunkel geworden. Wir fuhren ein Stück weiter, bis ein Schlagbaum im Lichtkegel unseres hellen Scheinwerferlichtes auftauchte - der Eingang in den Almatiner Naturschutzgebiet. Beim jungen Beamten erkundigten wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nach kurzer Rücksprache liess er uns hinein und zeigte uns den Weg zur nächst gelegenen Unterkunft.
Auf der schmalen, asphaltierten Strasse ging es steil bergauf. An einem Flachstück fanden wir direkt am Strassenrand einen Rastplatz. So blieb uns der weitere Weg bis zur Unterkunft erspart. Der Boden war so hart, dass wir die Heringe nicht in den Boden schlagen konnten. Stattdessen sammelten wir grosse Steine, um das Zelt daran abzuspannen. Währenddessen trottete fast unbemerkt eine Kuh vorbei. Dies war die letzte Nacht in diesem Zelt, es hatte seine Dienste geleistet.

An einem kühlen Morgen stand die Schlussetappe unserer Reise bevor. Wir kehrten ins Zentrum vom Talgar zurück und radelten nunmehr mit Mundschutz auf der Hauptstrasse nach Almaty. Wie bei der Hinfahrt begleitete uns dichter Verkehr. Über Umwege, vorbei am Sendeturm sowie kreuz und quer durch die Stadt, trafen wir am Hotel ein, wo wir herzlich empfangen wurden.

Eine abenteuerliche, anspruchsvolle Veloreise mit fantastischen Landschaften durchs goldige Kasachstan ist nach knapp drei Wochen zu Ende gegangen.