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LEL logoNach langen Diskussionen und Recherchen über die optimale Renntaktik ging es am 27.07.17 endlich los, und wir nahmen unseren Saisonhöhepunkt London – Edinburgh – London (LEL), 1'445 km innerhalb von 100h, in Angriff. Unsere Rennräder in den praktischen Scicon-Bags (mit Rollen) verpackt, fuhren wir mit dem Zug über Paris nach London. Etwas nördlich von London, unweit vom Start, bezogen wir unser Quartier.
Am nächsten Tag war erst einmal Rad zusammenbauen angesagt. Nadine stellte überrascht fest, dass ihr Vorderrad nicht mehr gerade läuft. Die Ursache war ein nicht richtig eingesetzter Schlauch, der beim Einpacken plötzlich geplatzt war. Aber dass dadurch auch die Felge beschädigt wurde, hat Nadine erst in England gesehen. Zum Glück hatte der lokale Velohändler dieselbe Felge noch vorrätig, so konnte Nadine am nächsten Tag ihr Rad wieder abholen. Nun stand also LEL nichts mehr im Wege.

LEL The Bike Shop

Beim Abholen der Startunterlagen am Samstag begutachteten wir interessiert die Räder der anderen Teilnehmer. Die Vielfalt war gross: von alten Stahl-Rennvelos, Singlespeed- Räder über neue Carbonräder (incl. teuren Carbonfelgen) zu Liege- oder Faltvelos und selbstgebaute Velomobile. Wir gehörten zu den wenigen, die Hinterradtaschen montiert hatten. Der überwiegende Teil nutzte grössere Satteltaschen, die etwas leichter waren als unsere Lösung.

Gestartet wurde am Sonntag alle 15 Minuten, aufgeteilt in Startblöcken von je etwa 20 Personen. Da wir uns für die schnellere Gruppe angemeldet hatten, die die Distanz von 1445km in unter 100 Stunden zu fahren, lag unsere Startzeit entsprechend früh am Morgen. Gemeinsam mit den anderen aus unserem Startblock ging es zügig voran, bis Frank nach der ersten Stunde durch einen Plattfuss gestoppt wurde. Ein spitzer Stein war der Übeltäter. Bei der Weiterfahrt stiessen wir bald wieder auf eine weitere schnelle Gruppe, in der wir mit Seiten- und Rückenwind zügig vorankamen. Nach der ersten Verpflegung waren wir meist alleine unterwegs bis zu unserem Tagesziel Pocklington. Dabei passierten wir viele Getreidefelder, fuhren entlang von hohen Hecken, so dass leider die Sicht etwas verdeckt war. Besonders spektakulär war auf diesem Streckenabschnitt die Humberbrücke bei Barton-upon-Humber. Leider trübte da der Regen etwas unsere Sicht. Die ersten 340km waren anfänglich hügelig, dann flach entlang einem Kanal, allerdings mit starkem Seitenwind, und danach eher wieder hügelig.
In Pocklington angekommen verpflegten wir uns erst einmal und versuchten bis am Morgen um 4.30 Uhr zu schlafen. Viel Schlafen konnten wir wurde nicht. Zum einen brannte das Licht, zum anderen war es ein ständiges Kommen und Gehen. Insbesondere Nadine konnte auch innerlich nicht abschalten, denn bei ihr lief das „Rennen“ immer noch weiter.

Am nächsten Morgen ging es über verwinkelte, schmale Landstrassen weiter nach Thirsk. Spektakulär war die Strecke beim Howard Castle vorbei, wo der schon fast stufenartig anmutende Abschnitt immer wieder über steile Rampen hoch und dann wieder etwas runterging bis oben das Monument der vier Winde erreicht wurde. In Barnard Castle passierten wir die schönste Kontrolle, ein altes Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert (https://www.barnardcastleschool.org.uk/). Ein Randonneur meinte, diese Kontrolle sei für uns fast schon etwas zu „posh“, also zu vornehm. Frank musste vor Ort noch seinen Mantel wegen eines Risses tauschen, ehe wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Die Strecke führte über die Pennines zum höchsten Punkt weiter nach Brampton.

LEL Barnard CastleLEL Pennines

Nach der Verpflegungspause in Brampton fuhren wir weiter bis Moffat, wo wir erst um Mitternacht ankamen. Unser ursprüngliches Ziel war eigentlich am 2. Tag Edinburgh zu erreichen, das lag aber noch 80km entfernt. Somit stellten wir fest, dass unsere Taktik überhaupt nicht aufgeht. Es waren nur noch sehr wenige aus unserem Startblock zu sehen, die meisten waren schon viel weiter. Der Hauptgrund lag wohl in unseren langen Pausen bei den einzelnen Kontrollen, die alle 80-100km anzusteuern waren. Jedoch wollten wir uns nicht stressen lassen und blieben somit bei unseren ausgiebigen Pausen - bis alles vom Buffet ausprobiert ist dauerte es halt etwas ?. Um die verlorene Zeit aufzuholen, reduzierten wir den Schlaf auf weniger als 2 Stunden und starten schon am Morgen um 3 Uhr. Und wir waren nicht die einzigen!
Besonders Bergauf konnten wir viele überholen. Während den ersten paar Stunden haben wir leider von der Landschaft nicht viel mitbekommen – es war stockfinster (das Licht von unseren Nabendynamos bewährte sich, nur reicht es natürlich nicht aus um die Landschaft zu beleuchten). Kurz vor Edinburgh entlud sich ein kräftiger Schauer. So richtig durchnässt erreichten wir bald die nächste Kontrolle, eine "Bag Drop"-Station, wohin wir einen Sack mit frischen Kleidern deponieren liessen. Halbzeit - die Hälfte der Strecke war geschafft. Gegen den Wind kämpften wir uns über die schottischen Hügel zurück Richtung London. Der Rückweg wich stellenweise etwas vom Hinweg ab. So führte die Strecke von Edinburgh aus über Innerleithen nach Eskdalemuir. In beiden Ortschaften verpflegten wir uns, in Eskdalemuir schafften wir es sogar in die lokale Zeitung. Über Brampton ging es wieder identisch wie beim Hinweg weiter nach Barnard Castle. Beim Anstieg auf den höchsten Punkt wurden wir von einem ehemaligen LEL Teilnehmer zu Tee und Flapjacks (englischer Haferkeks) eingeladen. Nadine konnte dem nicht wiederstehen und hielt an. Die Pause war dann nicht ganz so kurz, wie sie dachte: Testurteil über die hausgemachten Flapjacks sowie ein Videointerview mussten gemacht werden. Sie versuchte dann Frank wieder aufzuholen, schaffte es aber trotz den leckeren Flapjacks nicht. Frank war 3 Minuten vor ihr bei der Kontrolle in Barnard Castle. Dort wieder eine kurze Nacht mit 1.5 Stunden Schlaf.

Bis zum 500km entfernten Ziel in London war dies noch die längste Schlafpause, die wir uns gönnten. Besonders Frank hatte auf dem letzten Abschnitt immer wieder mit der Müdigkeit zu kämpfen. Nadine wollte dagegen einfach so schnell wie möglich fertig werden und in einem vernünftigen Bett wieder richtig ausschlafen. Sozusagen Non-Stop, ausgenommen von zwei 30 Min. Powernaps und den Verpflegungspausen fuhren wir den Rest durch. Trotzdem verfehlten wir das Zeitlimit um rund 7 Stunden und wurden somit offiziell als "Nicht-Finisher" gewertet. Dennoch war es eine besondere Erfahrung im Ultra-Cycling.