Im Land der Daccias und der Pferdekarren

In den ersten Tagen in Rumänien machte ich eine Zeitreise in die Vergangenheit. Alles erschien mir noch rückständiger als ich erwartet hatte. Auf den Straßen, die man eher ein Flickenteppich mit zahlreichen Schlaglöchern bezeichnen konnte, fuhren zwischen uralten PKWs der rumänischen Marke "Daccia" etliche Pferdefuhrwerke.

Alles wirkte veraltet. Die Infrastruktur ist teilweise arg runtergekommen, das Leben ziemlich einfach. An Brunnen bzw. zentralen Wasserstellen holen die Menschen oder Kinder ihr Trinkwasser. Die Landwirtschaft dient der Eigenversorgung: ein paar Kühe, Ziegen, Enten und Hühner, die alle frei herumlaufen. In den Dorfläden bekommt man nur eine kleine Auswahl an Lebensmitteln und Haushaltswaren. Selbstbedienungsmärkte, wie noch zahlreich in Ungarn, gibt es nicht. Nur die Hauptstraßen sind asphaltiert, abseits davon sind die Wege Erd- bzw. Schotterpisten, selbst in den einzelnen Orten. In den Dörfern leben überwiegend ältere Menschen. Die wenigen Kinder dort sind wohl vorübergehend bei den Großeltern untergebracht, währenddessen die jungen Leute in die Stadt gezogen sind, dort wo es Arbeit gibt.

Die Menschen sind sehr freundlich, man grüßt sich. Als ich an einer Kreuzung die Karte studierte, um auf eine kleine Nebenstraße abzubiegen, sprach mich hilfsbereit ein älterer Mann an. Ich fragte ihn gestikulierend, ob dies der Weg nach Craiva ist, was er bestätigte. Er erklärte mir die Strecke, was ich aber nur halb verstand. Mit seinem klapprigen Fahrrad verfolgte er mich bis zum Ort unweit der Kreuzung. Er kam nochmals auf mich zu, und ich sollte ihn folgen. Zuerst dachte ich, er würde mich nach Hause einladen. Doch wir fuhren gemeinsam über eine halbe Stunde lang abseits der Straße zwischen den Feldern auf einen schmalen, holprigen Weg, dann über eine Brücke über einen kleinen Fluss bis ans Ende eines Dorfes. Der 57-jährige Mann hatte mich also zu meiner gewünschten Route in Richtung Craiva gebracht. Ich bedankte mich herzlich dafür und verabschiedete mich von ihm. Mit seinem alten Fahrrad fuhr der Mann wieder zurück, und ich setzte meine Fahrt auf der Hauptstraße fort.

In Sebis kaufte ich noch Obst und Gemüse für das Abendessen. Nach einer Stunde erreichte ich am Abend Moneasa, wo laut Karte ein Campingplatz sein sollte. Am Ortseingang kaufte ich noch Wasser und Kekse ein. Der Besitzer des kleinen Ladens sprach etwas deutsch. Er arbeitete in den 70er Jahren in Düsseldorf als Koch. So war die Verständigung kein Problem. Der Campingplatz war leider noch zu. Daraufhin fuhr ich im Tal einfach weiter, vorbei an Hotels und anderen touristischen Einrichtungen, selbst wo die Asphaltdecke zu Ende war. Endlich fand ich auf der anderen Seite des Bergbaches ein kleines Stück Wiese, auf dem ich mein Zelt aufbauen konnte. Die Nacht war kalt, sehr kalt. Es gab nochmals Bodenfrost, und das am Anfang Mai.

Von Moneasa umfuhr ich zunächst auf einer schmalen Piste, später auf der Hauptstraße den Berg. In Vârfurile stärkte ich mich am Abend in einem kleinen Schnell-Restaurant mit einer Portion frittierten Kartoffeln (Es waren keine Pommes). Dann ging es noch einen kleinen Anstieg hoch. Nach einer Nacht auf einer Wiese unweit der Straße erreichte ich am nächsten Tag Vascau. Das Wetter schlug um. Am Vormittag noch Sonnenschein und angenehmen 15°C zogen nun rasch Regenwolken auf. Der kalte Wind verstärkte sich. Die Temperatur fiel in kürzester Zeit auf unter 5 Grad ab. Ich befand mich im Anstieg von Nucet über den Berg "Bihor". Der Pass geht auf 1160m hoch. Der Regen holte mich ein. Durchnässt und frierend brach ich bei erster Gelegenheit die Etappe ab. Nachdem ich mein Zelt auf einer Wiese nah an der Straße aufgebaut hatte, hörte es auch wieder auf zu regnen. Ich hatte keine Lust weiterzufahren, denn es war verdammt kalt. Im Schlafsack konnte ich mich wunderbar aufwärmen und erholen.

Sprache
dezh-CNnlenfritrues